Preview Orgatec 2016: Sprich mit mir!

Im Mittelpunkt der Orgatec 2016 stehen vor allem kommunikative Lösungen, die nicht nur eine Abkehr vom klassischen Einzelarbeitsplatz forcieren und zunehmende Entkoppelung von Arbeit und Schreibtisch.

Auch wenn sich Arbeit heute nicht immer nach Arbeit anfühlt: Die Aufgaben müssen erledigt werden – ganz gleich, ob im klassischen Büro, im Homeoffice oder unterwegs. „Neue Technologien erleichtern es, überall und jederzeit zu arbeiten. Darum wird regelmäßig das Ende des Büros angekündigt. Das Büro ist aber nicht verschwunden. Weshalb? Weil das Bedürfnis nach realem, direktem Austausch ungebrochen ist und mit der zunehmenden Virtualisierung sogar steigt,“ bringt Nora Fehlbaum, Geschäftsführerin von Vitra, den neuen Anspruch auf den Punkt. Und so befindet sich die Branche in einem rasanten Umbruch. Wohlbefinden, Wärme und Atmosphäre sind ebenso wichtige Parameter geworden wie eine flexible Aufteilung von Räumen und das Schaffen kommunikativer Zonen. Kreative Ansätze sind plötzlich gefragt – und das selbst in den Büroräumen von erzkonservativen Branchen. „Creativity Works“ heißt das passende Thema dieser Messe, auf der 650 Aussteller ihre Neuheiten aus den Bereichen Einrichtung, Boden, Akustik, Licht sowie Konferenz-, Informations- und Kommunikationstechnologien zeigen werden.

Vernetzung und Rückzug
Worum es geht, ist die zunehmende räumliche Vernetzung. Wer heute ins Büro kommt, will sich dort mit anderen austauschen – wofür unterstützende, räumliche Lösungen benötigt werden. Umgekehrt steigt der Bedarf nach Ruhezonen für konzentrierteres Arbeiten – angefangen bei intimen Besprechungsinseln und blickgeschützten Schreibnischen bis hin zum Rückzug ins eigene Homeoffice. Dass sich der Blick über den Tellerrand hinaus lohnt, will diesmal Vitra mit der großformatigen Sonderausstellung „Work“ in Halle 5.2 unter Beweis stellen. Die Arbeitswelt soll als lebendige Collage inszeniert werden, wo Produkte unterschiedlicher Stile, Formen, Farben, Stimmungen und Materialien in einer lebendigen Durchmischung aufeinander treffen. Neben Vitra werden dort auch Artek, Bulthaup, Dinesen, Kvadrat, Mercedes-Benz und andere ihre Produkte in einer branchenübergreifenden Inszenierung zusammenführen. 

Kommunikativer Austausch 
Die Fokussierung auf kommunikative Qualitäten führt zu einer Neujustierung der Möbel-Proportionen: Tische wachsen in Länge und Breite auf stattliche Dimensionen an. Kristalia stellt mit dem Konferenztisch Holo Meeting eine großformatige Weiterentwicklung des Tischprogramms Holo von Kensaku Oshiro vor, das mit seinen sklupturalen Füßen jedem Meeting den richtigen Schwung verleiht. Stimulierende Gespräche stehen auch beim Konferenztisch-Programm Meety von Lievore Altherr Molina für Arper an vorderster Stelle. Dessen Besonderheit sind Tischplatten mit oval zulaufenden Flanken oder rautenförmigem Zuschnitt. Indem tote Winkel vermieden werden, können sich die Teilnehmer einer Besprechung gegenseitig in die Augen schauen – selbst dann, wenn die am äußeren Tischende sitzen. Das vereinfacht den Austausch und wirft die strenge, hierarchische Sitzordnung klassischer Besprechungssituationen locker über Bord. Die passende Bestuhlung hat Wilkhahn mit dem Konferenzstuhl Metrik von Designbüro white ID parat: Eine Neuinterpretation des klassischen Freischwingers, die polygonale Flächen und gerundeten Kanten anstelle von gebogenem Stahlrohr einbringt. 

Fließende Konturen
Dynamisch geht es auch am Arbeitsplatz weiter. Statt sich an einzelne Schreibtische zurückzuziehen, rücken die Mitarbeiter an Inseln zusammen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Materialität: Natürliche Hölzer sorgen für eine warme, wohnliche Atmosphäre, während rundlich-fließende Tischkonturen für einen freundlichen Auftritt der neuen Möbellandschaft sorgen. Ein adäquates Utensil hat an dieser Stelle der britische Designer Jonathan Prestwich mit seinem Tischprogramm Grid Work für Arco entworfen, wo die Kabel von Computern, Druckern, Laptops und Smartphones in einem Spalt in der Tischmitte verschwinden und unterhalb der Arbeitsfläche von einem textilen Schlauch gebündelt werden.

Mäandernde Landschaften
Schreibtische verlieren den Charakter von Solitären und werden in Systeme eingebunden. Der niederländische Hersteller Lande stellt mit Trigon vom Designbüro 13&9 einen flexiblen Baukasten vor, bei dem rautenförmige Tische zu endlos langen Bändern addiert werden können. Wie auch Farbe eine wichtige Rolle spielt, zeigt Zeitraum mit der Erweiterung des Massivholz-Tischprogramms Rail vom Kölner Designerduo Kaschkasch. Die quadratischen, rechteckigen oder trapezförmigen Tischplatten in unterschiedlichen Materialien, Oberflächen und Farben werden auf verschiebbaren Böcken fixiert und können um passende Stehpulte, Akkustikwände und Ablagen erweitert werden. Einen flexiblen Höhensprung vollzieht auch Vitra mit dem Tischsystem CDS von Antonio Citterio, das einen wahlweise manuellen oder motorisierten Wechsel zwischen stehender und sitzender Arbeitshöhe erlaubt.

Raumgreifende Loungeinseln
Welch raumgreifende Dimensionen die neuen Kommunikationsmöbel einnehmen, demonstriert Richard Lampert mit Pip. Der Entwurf von Daniel Kern ist ein flexibler Baukasten, bei dem sich Wangen, Sitzflächen und Rückenlehnen in beliebiger und endloser Weise zusammenstecken lassen. Interessant ist hierbei der Einsatz von Gipsfaserplatten als Trägermaterial der Ablagen und schmalen Sitzpolster. Das im Möbelbau höchst ungewöhnliche Material entspricht der Brandschutznorm A2-s1, weswegen Pip auch für den Einsatz in Schulen, Universitäten, Bibliotheken und Behörden geeignet ist. Vielseitigkeit wird unterdessen beim Polstersystem Shuffl groß geschrieben, das Anne Boysen für den dänischen Möbelhersteller Eric Jørgensen entwarf. In Anlehnung an das Zufalls-Funktionsprinzip eines beliebten MP3-Player lassen sich Sitzpolster, Regale, Schränke und Pflanzenschalen je nach Bedarf zu freistehenden Besprechungs- und Entspannungsinseln kombinieren.
Schallschluckende Paneele 
Eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz spielt die Akustik. Arper präsentiert in Köln eine freistehende Ausführung des schallschluckenden Wandpanels Parentesit von Lievore Altherr Molina. Die runden, quadratischen und ovalen Paneele lassen sich zu raumgliedernden Kompositionen verdichten, die mit Lautsprechern und Beleuchtungselementen multifunktional aufgeladen werden. Eine Verbindung aus Leuchte und Schallschlucker stellt der niederländische Hersteller De Vorm mit AK 2 vor. Der Entwurf der Berliner Designer Uli Budde und Ivan Kasner wird aus einem filzartigen Gewebe aus recycelten PET-Flaschen gefertigt, das besonders schallisolierende Qualitäten aufweist. Das kastenförmige Oversize-Format sorgt zudem für einen Zugewinn an Privatsphäre am Arbeitsplatz.

Doppelseitige Pinnwand
Einen interessanten Vorstoß in dieselbe Richtung unternimmt der Leuchtenhersteller Luceplan mit Diade von Monica Armani. Die Pendelleuchte wird um zwei großformatige Stoffpaneele ergänzt, die vertikal oder horizontal montiert werden können und in unterschiedlichen Farben Akzente setzen. Einen multifunktionalen Schallschutz hat derweil auch Thonet mit der Akkustikstellwand Canor im Gepäck. Der Entwurf des internen Designteams (Leitung Julia Homrighausen) dient als freistehende Trennwand mit einer bodennahen, hölzernen Ablage und kann als doppelseitige Pinnwand für Großraumbüros, Meeting-Räume oder Coworking Spaces zum Einsatz kommen.

Multiple Perspektiven 
Die Botschaft: Die Bürobranche versucht derzeit zwei gegenläufige Entwicklungen unter einen Hut zu bringen. Auf der einen Seite werden umfassenden Systeme angeboten, mit denen Open Spaces in flexible, atmosphärische Arbeitsplätze unterteilt werden können. Auf der anderen Seite steht eine Vielzahl bruchstückhafter Solitäre zur Auswahl, mit denen vorhandene Möbel und Systeme spielend ergänzt werden. Je nach Budget kann so eine große oder nur ganz kleine Lösung bei der kommunikativen wie atmosphärischen Aufwertung des Arbeitsplatzes gefunden werden.

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